
:﷽
وَمَٓا اَنْفَقْتُمْ مِنْ شَيْءٍ فَهُوَ يُخْلِفُهُۚ وَهُوَ خَيْرُ الرَّازِقٖينَ
:وَقَالَ رَسُولُ اللّٰهِ صَلَّي اللّٰهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ
لا خَيْرَ فِيمَنْ لا يُضِيفُ
Die Etikette als Gast und Gastgeber
(17.07.2026)
Werte Gläubige!
Gastfreundschaft gehört zu den schönen Charaktereigenschaften, die unser Glaube hervorhebt. Einen Gast zu bewirten ist ein lebendiger Ausdruck von Hilfsbereitschaft, der Geschwisterlichkeit und der Großzügigkeit. Jedes herzliche Willkommen, jede gemeinsame Mahlzeit und jede aufrichtige Bewirtung vertiefen die gegenseitige Verbundenheit, bringen einander näher und stärken den Zusammenhalt. Unser Prophet (s) sagte: „Es gibt kein Gutes in demjenigen, der keinen Gast bewirtet.“1 Damit hob er hervor, dass jemand fern von dieser schönen Tugend ist, wenn er trotz der Möglichkeit seinem Gast keine Gastfreundschaft erweist. Wahre Gastfreundschaft zeigt sich jedoch nicht darin, nur Speisen zu servieren. Das Wesentliche ist, den Gast nach den Sitten unseres Glaubens zu empfangen: ihm mit einem aufrichtigen Lächeln zu begegnen, ihm Wertschätzung entgegenzubringen, ihm Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken und alles zu vermeiden, was ihn beschämen oder in Verlegenheit bringen könnte.
Werte Muslime!
Ein Gast ist niemals eine Last, sondern eine Quelle des Segens.2 Was wir mit ihm teilen, mindert unseren Besitz keineswegs,3 vielmehr wird es durch Allahs Gnade gesegnet und vermehrt. So spricht Allah im edlen Koran: „Und was ihr spendet, wird Er euch ersetzen. Und Er ist der beste Versorger.“4 Dennoch sollte man bei der Bewirtung maßvoll sein, Verschwendung vermeiden und sich vor einer Art der Bewirtung hüten, die nur der Selbstdarstellung dient oder gar in Prahlerei ausartet. Denn der Wert der Gastfreundschaft bemisst sich nicht an der Fülle des Tisches, sondern an der Aufrichtigkeit der Herzen.
Werte Gläubige!
Unsere Religion lehrt uns nicht nur, wie wir uns als Gastgeber verhalten, sondern schenkt uns auch Richtlinien für das Gastsein. Als Gast sollten wir mit einem Lächeln grüßen und den uns zugewiesenen Platz einnehmen. Vermeiden wir alles, was die Privatsphäre des Gastgebers verletzt. Halten wir uns von übler Nachrede fern und führen nur gute und nützliche Gespräche.5 Schätzen wir die angebotenen Speisen und Getränke nicht gering und bedanken wir uns selbst für ein Glas Wasser. Bringen wir eine kleine Aufmerksamkeit oder ein Geschenk mit. Verabschieden wir uns stets mit einem Bittgebet für den Gastgeber und seine Familie, um eine bleibende, gute Erinnerung zu hinterlassen.
Meine Geschwister!
Gastfreundschaft gehört zu unseren wertvollsten Tugenden. Sie überwindet Distanzen und hält die Bande der Familie, Nachbarschaft und Freundschaft lebendig. Machen wir unsere Häuser daher nicht zu reinen Unterkünften, sondern zu Orten der Besinnung, an denen Allahs gedacht wird und in denen Liebe und Gemeinschaft spürbar sind. Suchen wir den Kontakt zu Verwandten, Nachbarn und Freunden, um diese Herzensverbindungen aktiv zu pflegen. Vergessen wir nicht: Eine kleine, aufrichtige Bewirtung, ein schönes Wort aus dem Herzen und ein Besuch, um nach dem Wohlergehen eines Menschen zu fragen, sind bei Allah von großem Wert und hinterlassen positive Spuren im Miteinander. Lasst uns diese wichtige Tradition gemeinsam bewahren, im Alltag vorleben und sie auf die schönste Weise an die kommenden Generationen weitergeben.
Die DITIB-Predigtkommission
Quellen:
1 Ibn Hanbel, IV, 157.
2 Ibn Madsche, Etime, 55.
3 Muslim, Bir, 69.
4 Sebe, 34/39.
5 Buchari, Riqaq, 23; Muslim, Iman, 74.