
2026-05-26 | Botschaft
Das Opfer (Kurban) ist ein uralter Gottesdienst, dessen Wurzeln bis zum Propheten Adam (a.s.) zurückreichen. (Sure al-Ma’ida, 5/27) Das bedeutet, dass das Bemühen des Dieners, Allah nahe zu sein, in der gesamten Menschheitsgeschichte stets vorhanden war und ist. Das Opfer, das im Kern die Bedeutung der „Annäherung“ in sich trägt, ist nicht nur eine formelle Pflicht, die an bestimmten Tagen verrichtet wird. Es ist eine gewaltige spirituelle Verbindung, die den Diener mit seinem Herrn verbindet und die Herzen miteinander verschmelzen lässt.
In jeder Epoche der Geschichte wünschten sich die Gläubigen, mit Loyalität und Aufrichtigkeit an dieser spirituellen Verbindung festzuhalten, um das Wohlgefallen des Erhabenen Schöpfers zu erlangen. Auch die Propheten – die Wegweiser des Tawhid – haben uns in den schweren Prüfungen, die sie durchlitten, persönlich vor Augen geführt, wie diese Annäherung, diese Hingabe zu sein hat. Eine der unerschütterlichsten und höchsten Beispiele dieses Bewusstseins der Gottesergebenheit und des Gehorsams ist zweifellos die große Prüfung der Hingabe, die die Familie des Propheten Abraham (a.s.) mit ihrem Sohn Ismael (a.s.) erlebte.
Dass der Erhabene Allah dieser einzigartigen, von der ganzen Familie gezeigten Hingabe mit Seiner unendlichen Barmherzigkeit begegnete, offenbart den eigentlichen Zweck des Opfers (Kurban) in aller Klarheit und ruft uns seit Jahrhunderten gleichsam die folgenden Botschaften zu: Wer sich Allah nähern will, muss sich den Menschen nähern. Wer sich dem Herrn nähern will, muss den Menschen mit offenen Armen begegnen. Das grundlegende Ziel der Religion ist es, den Menschen am Leben zu erhalten. Das Leben, das Eigentum, die Ehre und die Würde des Menschen sind heilig und unantastbar. Wer Allahs Wohlgefallen erlangen möchte, muss den Menschen beschützen, darf ihm niemals schaden, ihn nicht betrügen und keinem Lebewesen Leid zufügen. Denn Respekt vor dem Menschen ist unmittelbar Respekt vor dem Schöpfer.
Dieser tiefe Respekt vor dem Menschen und das Bewusstsein dafür, Leben zu erhalten – das ist der wahre Kern des Opfers (Kurban). Dieses Bewusstsein wollen wir in eine sichtbare, gute Tat umsetzen. Deshalb führt die Türkisch-Islamische Union (DİTİB) auch dieses Jahr gemeinsam mit der Diyanet Stiftung (TDV) ihr Stellvertreter-Kurbanprogramm (Vekâletle Kurban) mit größter Sorgfalt durch. Unsere Freiwilligen und Ehrenamtlichen sind bereits vor Ort, um in 85 Ländern an 410 verschiedenen Orten denen zu helfen, die hoffnungsvoll auf uns warten – den Unterdrückten und Notleidenden.
Mit der Expertise, der Erfahrung und der jahrelangen Kompetenz unserer Einrichtungen wird der gesamte Prozess – von der sorgfältigen Auswahl der Opfertiere bis hin zur Verteilung an die eigentlichen Berechtigten – mit einem tiefen Bewusstsein für das anvertraute Gut (Emanet) durchgeführt. Die uns mit großem Vertrauen anvertrauten Opfergaben werden gemäß den Vollmachten unserer Spender unter namentlicher Verlesung und mit vollständiger Einhaltung der islamischen Regeln geschächtet. Die wichtigsten Schritte dieses Prozesses, die Verlesung der Namensvollmachten und die Schächtung der Opfertiere, werden dokumentiert und unseren hochgeschätzten Spendern mitgeteilt.
Wir erfüllen diese anvertraute Verantwortung gewissenhaft und ordnungsgemäß. Mit Ihrer Unterstützung – Ihren Vollmachten – können wir den Unterdrückten und Notleidenden auf der ganzen Welt Freude bringen und ein Lächeln auf ihre Gesichter zaubern. Deshalb erfahren wir als DİTİB-Familie die tiefe innere Ruhe, diese Verantwortung in gebührender Weise zu erfüllen.
Kommen Sie, lassen Sie uns die Festtagsfreude, die wir in fernen Ländern geweckt haben, auch in unsere eigenen Häuser tragen. Lassen Sie uns auch unsere eigenen Kindern die Hand der Barmherzigkeit spüren, die wir in die Ferne ausstrecken. So festigen wir unsere familiären Bande und unsere Geschwisterlichkeit in tiefer Zuneigung.
Während wir diese Freude in unseren Häusern erleben, vergessen wir nicht unsere traurigen und unterdrückten Geschwister auf der Erde. Schließen wir sie niemals aus unseren Gebeten aus. Möge unser Herr die von uns geopferten Tiere zu einem aufrichtigen Zeugen unserer Gottesfurcht, unserer Treue und unserer Hingabe machen. Mögen unsere Opfer uns veranlassen, uns Seinem unendlichen Wohlgefallen und Seiner Barmherzigkeit zu nähern.
Aus diesem Anlass wünsche ich, dass das Opferfest, das wir am Mittwoch, dem 27. Mai, begehen werden, ein Anlass für Wohltaten, Güte und Schönheit sei. Ich erbitte von Allah, dem Erhabenen, dass das Fest Frieden, Ruhe und Glück in unsere Herzen, in unsere Häuser, zu unseren Nachbarn, in unser Land und in unsere gesamte Welt bringen möge.
Ramazan ILIKKAN
DITIB-Bundesvorsitzender