Freitagspredigt

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:﷽
اَلَّذ۪ينَ اٰمَنُوا وَتَطْمَئِنُّ قُلُوبُهُمْ بِذِكْرِ اللّٰهِۜ اَلَا بِذِكْرِ اللّٰهِ تَطْمَئِنُّ الْقُلُوبُۜ

:وَقَالَ رَسُولُ اللّٰهِ صَلَّي اللّٰهُ عَلَيْهِ وَسَلَّمَ
مَنْ فَطَّرَ صَائِمًا كَانَ لَهُ مِثْلُ أَجْرِهِ غَيْرَ أَنَّهُ لاَ يَنْقُصُ مِنْ أَجْرِ الصَّائِمِ شَيْئًا

Was ist Ramadan - und was nicht?
(27.02.2026)

Wir sind dabei das erste Drittel des gesegneten Monats Ramadan hinter uns zu lassen – jenes Monats, dessen Anfang Barmherzigkeit, Mitte Vergebung und Ende Befreiung vom Höllenfeuer ist. Möge Allah uns allen gewähren, von seiner Barmherzigkeit zu profitieren, durch seine Vergebung gereinigt zu werden und vor der Strafe des Höllenfeuers bewahrt zu bleiben.

Geschwister! Werte Gläubige!
Jedes Jahr bemühen wir uns, den Ramadan in unserer inneren Welt würdig zu empfangen. Doch was ist der Ramadan – und was ist er nicht? Lasst uns gemeinsam über diese Frage nachdenken. 

Der Ramadan ist eine Schule der Dienerschaft. Eine Schule, die uns erzieht, formt und uns als bessere Diener Allahs „abschließen“ lässt. Auf ihrem Lehrplan stehen die bedingungslose Hingabe an Allah und die Erziehung unserer Triebseele. Dort lernen wir Taqwa (Gottesfurcht), Geduld und Dankbarkeit. Dort wachsen Geschwisterlichkeit, Teilen und Solidarität.

Liebe Geschwister!
Der Ramadan ist kein Monat der Einschränkung, in dem unsere Freiheit beschnitten wird. Vielmehr ist er ein Monat der Befreiung – der Befreiung aus der Gefangenschaft unseres eigenen Egos. Denn wahre Freiheit bedeutet nicht, allem nachzugehen, wonach uns gerade ist. Wahre Freiheit bedeutet, aus Liebe zu Allah bewusst auf das zu verzichten, was wir begehren.

Die wichtigste Glaubenspraxis, die den Ramadan von allen anderen Monaten unterscheidet, ist zweifellos das Fasten. Doch Fasten bedeutet nicht nur, hungrig zu bleiben. Es bedeutet, unsere Seele mit ihrer eigentlichen Nahrung zu versorgen. Und die Nahrung der Seele ist der edle Koran. Denn die Herzen finden im Gedenken Allahs, der Rezitation des Korans Ruhe und Erfüllung.[1] Der Koran ist die Quelle der Heilung und Barmherzigkeit für jene, die an Allah glauben und Ihm vertrauen.[2]

Geschwister!
Wenn also dieser Monat der Monat des Koran ist, dann sollte der Koran gerade in diesen Tagen am meisten in unseren Händen sein, auf unseren Lippen und in unseren Herzen sein. Und er sollte vor allem in dieser Zeit unser Denken, Sprechen und Handeln prägen. Der Koran ist kein saisonales Buch, das im Ramadan aus dem Regal genommen und danach wieder verstaut wird. Er ist auch kein Text, der nur nach dem Tod eines Menschen rezitiert wird. Er ist vielmehr eine Lebensanleitung für die Lebenden – ein Licht, das unseren Weg erhellt.[3]

Liebe Geschwister!
Der Ramadan ist kein Monat der Gereiztheit. „Ich faste, deshalb bin ich schlecht gelaunt“ – ein solches Verhalten steht einem Muslim nicht an. Ein fastender Gläubiger verletzt keine Herzen und kränkt niemanden. Er lebt im Frieden mit den Menschen und sucht keinen Streit, sondern wahrt seine Höflichkeit. Der Muslim zeigt keine Nachlässigkeit in seiner Arbeit, geht verantwortungsvoll mit seiner Zeit um und verbringt sein Fasten nicht schlafend.

Verehrte Gläubige!
Der Ramadan ist auch kein „Diätmonat“, in dem wir lediglich einige Kilos verlieren wollen. Ebenso wenig ist er ein Monat üppig gedeckter Tische, bei denen wir abends nachholen, worauf wir tagsüber verzichtet haben. Unsere Tische sollten keine Orte sein, an denen wir unsere Triebseele verwöhnen, sondern Orte der Barmherzigkeit, an denen wir an unsere Geschwister denken. Denn unser Prophet (s) sagte: „Wer einem Fastenden etwas zum Fastenbrechen gibt, erhält den gleichen Lohn wie der Fastende, ohne dass dessen Lohn dadurch gemindert wird.“[4]

Geschwister!
Während wir uns bemühen, diese frohe Botschaft zu erlangen, sollten wir jedoch nicht durch Übertreibung Schaden anrichten. Lasst uns die Iftar-Tische nicht zu Orten der Zurschaustellung und der Verschwendung machen.

Möge Allah uns zu denen gehören lassen, die aus der Schule des Ramadan wahrhaft Nutzen ziehen – zu denen, die die Ketten ihrer Triebseele sprengen und die wahre Freiheit erlangen. Möge Allah unsere Tische frei von Verschwendung und Angeberei halten und unsere Herzen mit Barmherzigkeit und dem Bewusstsein geschwisterlicher Verbundenheit erfüllen. Möge Allah den edlen Koran zu unserem Wegweiser in der Hand, zu einem lebendigen Gedenken auf unseren Lippen und zu einem festen Maßstab in unserem Leben machen. (Amin)

 

Die DITIB-Predigtkommission

 


[1] Koran, Raʿd, 13/28.
[2] Koran, Isra, 17/82.
[3] Koran, Yasin, 36/70.
[4] Tirmizi, Sawm, 82.

2026-02-27    


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