Freitagspredigt

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Sich der Vereinsamten annehmen
(16.09.2022)

Werte Gläubige!

Ihnen ist bestimmt die folgende Aussage aus unserer Kultur bekannt: “Alleinsamkeit gebührt lediglich Allah.” Hiermit wird verdeutlicht, dass Einsamkeit und Alleinstehen nicht eine allein den Menschen charakteristische Situation... Es gibt nämlich kein anderes Geschöpf wie den Menschen, das auf der Welt so sehr auf die Eltern und sein menschliches Umfeld angewiesen ist. Das Leben ist nämlich nicht eine Last, die allein getragen werden kann.

Dass der Mensch ein soziales Wesen ist, stützt sich auf diese Realität. Wir wissen, dass sich Kummer und Leid verringern, sowie sich Freude und Glück vermehren, wenn man diese teilt.

Ausgehend von dieser Realität sind diejenigen Personen, deren Kummer und Leid am meisten geteilt werden sollte, ohne Zweifel die als “Vereinsamte” genannten Bedürftigen unserer Gesellschaft, die angewiesen sind auf Aufmerksamkeit, Liebe und Barmherzigkeit.

Wenn man von Vereinsamten spricht, fallen uns allen voran Waisen ein. Sind denn lediglich Personen, deren Mutter oder Vater verstorben sind, Waisen? Oder sollten wir diejenigen Kinder, die in der Blütezeit ihres Lebens der Aufmerksamkeit seiner Mutter oder seines Vaters entbehrt sind und abgestoßen sind, denn nicht auch als Waisen akzeptieren?

Sind unsere Senioren, deren Rücken unter der Last des Lebens gekrümmt sind und die darauf warten, dass eine Seele sie grüßt und nach ihrem Wohlbefinden fragt, denn nicht unsere Vereinsamten?

Sind unsere Kranken und Patienten, die mit verzweifelten Blicken nach Hoffnungslichtern in den Krankenhäusern suchen, denn nicht auch unsere Vereinsamten?

Sind unsere Gefangenen, die manchmal aufgrund von Wut oder auch aufgrund der Folge augenblicklicher Leichtsinnigkeit in Gefängnissen landen und dort ihr Leben aufzehren, denn nicht auch unsere Vereinsamten?

Sind Straßenkinder, von denen wir nicht wissen konnten oder nicht wissen können, aus welchem Grund sie auch auf den Straßen oder unter den Brücken landen, denn nicht auch unsere Vereinsamten?

Darüber hinaus gibt es auch Kinder der Welt. Ist Palästina nicht Vereinsamte der Welt? Ist Afrika nicht Vereinsamte der Welt? Ist der große Kontinent nicht auf seinem eigenen Kummer und Leid im Stich gelassen – obwohl der Hunger und das tragische Schicksal eines ganzen Kontinents allein mit den verschwendeten Gütern von der satten Welt völlig getilgt werden könnten?

Diese und noch unzählige weitere Personenkreise, die wir nicht aufzählen können, gehören zu unseren Vereinsamten. All diese wurden anvertraut auf die gemeinsame Verantwortung, Barmherzigkeit, Fürsorglichkeit und Aufmerksamkeit von der Menschheit.

Diejenigen, die am meisten kompetent sind, dieses Anvertraute zu übernehmen, sind die Gläubigen. Gläubige schauen nämlich auf alles und auf jeden mit dem Blick Allahs und lieben alle Geschöpfe Allahs wegen. Sie sind Helden der Barmherzigkeit, die sich Allahs Charaktereigenschaften angeeignet haben. Sie fürchten gemäß Prinzip: “Wer nicht barmherzig ist, dem kommt auch keine Barmherzigkeit zu.”1 und sie sind verliebt in die Verheißung: „Seid barmherzig gegenüber den Weltbewohnern, damit diejenigen im Himmel auch euch gegenüber barmherzig sind.“2 Sie sind ja nämlich Diener Allahs, des Barmherzigen,3 Der sich selbst die „Barmherzigkeit zum Handlungsprinzip gemacht hat.“

Kommen sie und lassen sie uns als Diener des barmherzigen und gütigen Allahs auf jeden und auf alles mit dem barmherzigen Blick Allahs schauen. Lassen sie uns versuchen, den Vereinsamten beizustehen; denjenigen herbeizueilen, die unsere Hilfe brauchen. Lassen sie uns denjenigen Kindern Familie sein, denen die Aufmerksamkeit von Mutter und Vater entbehrt ist. Lassen sie uns versuchen, Hilfsbedürftigen zu helfen und den Kummer von Bekümmerten zu teilen. Lassen sie uns während unseres kurzen Lebens versuchen, aufrichtig an uns denkende und für uns betende Personen im Leben zu gewinnen, in deren Leben wir mit guten und schönen Taten beigetragen haben.


Die DITIB-Predigtkommission
 

1 Al-Bukhari, Adab 18.                  
2 At-Tirmidhi, Birr, 16.
3 Koran, al-Anam, 6/54.

 

2022-09-16    


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