Freitagspredigt

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Unsere Verantwortungen in schwierigen Zeiten: Gegenseitige Hilfe und Solidarität
(10.04.2020)

 

Meine verehrten Geschwister!

Die islamische Religion legt großen Wert auf die Ordnung und auf das Wohl der Gesellschaft. Hierzu hat der Islam alle erforderlichen Prinzipien mitgeteilt. Allen voran die Prinzipien der Geschwisterlichkeit, gegenseitige Hilfe und Solidarität gehören dazu. Unser erhabener Allah sagt im edlen Koran: “[...] Und helft einander zur Rechtschaffenheit und Gottesfurcht und helft einander nicht zur Sünde und Feindschaft. Und fürchtet Allah; Allah ist streng im Strafen.“1

Gemäß des Prinzips der Geschwisterlichkeit haben wir sowohl religiös als auch menschlich Verantwortungen: Wir sollten gegenseitig aneinander denken und uns gegenseitig materiell und immateriell unterstützen. Besonders in schwierigen Zeiten sind wir mehr denn je auf Einheit und Eintracht, Solidarität und Hilfe angewiesen. Schließlich können große Probleme mit gemeinsamer Handlung gelöst werden. Heutzutage stehen wir leider auch vor einem solchen großen Problem vor. In dieser schwierigen Zeit kommen uns wichtige Aufgaben im gesellschaftlichen Sinne zu. Wir sollten nicht nur an uns selbst sondern auch an die ganze Menschheit denken. Wir sollten daher versuchen, unsere Aufgaben wahrzunehmen. Schließlich sind wir Angehörige einer Zivilisation mit dem folgendem Verständnis: “Wer schläft, wobei sein Nachbar hungert, ist nicht von uns.“2

Meine Geschwister!

Der erhabene Allah beschreibt den Muslim, der Sein Wohlgefallen findet, wie folgt: „[Gottesfürchtige,] die da spenden in Freud und in Leid und den Zorn zurückhalten und den Menschen vergeben. Und Allah liebt die Gutes Tuenden.“3 Wie zu sehen ist, wird im Vers nicht nur von Hilfe in guten und wohlhabenden Zeiten gesprochen. Vielmehr verlangt der Vers, dass wir auch in bedrängten und schwierigen Situationen helfen sollen. Schließlich ist dieses Thema zur Hilfe (Infaq) nicht eine Sache des Bemittelt-Seins und von vorhandenen Möglichkeiten. Vielmehr ist dieses eine Sache des Glaubens.

Jeder Moment unseres Lebens ist eine Prüfung. Im edlen Koran wird folgendes gesagt: „Und wir werden euch mit Furcht, Hunger, Verlust an Gut und Seelen und Früchten prüfen; aber Heil verkünde den Standhaften.“4 Wie auch im Vers verdeutlicht wird, gibt es nicht immer Prüfungen auf dieselbe Weise. Manchmal werden wir mit Reichtum geprüft. Manchmal werden wir auch mit Armut geprüft. In Armut geratene Personen werden mit Knappheit geprüft. Reichlich bemittelte Personen werden mit den wenig Bemittelten geprüft. Zur Prüfung der bemittelten Personen gehören folgende Dinge: Sich um wenig Bemittelte zu kümmern, ihnen die erforderliche Hilfe zukommen zu lassen und ihre Nöte zu lindern.

Aufgrund der Auswirkungen von den Virusmaßnahmen gibt es unterschiedliche Situationen. Auf der einen Seite warten wir in unseren Häusern und haben alle Möglichkeiten unter unserer Hand. Auf der anderen Seite gibt es Geschwister, die ihre Mieten oder Rechnungen nicht bezahlen oder die Grundbedarfe ihrer Häuser nicht decken können, weil sie nicht arbeiten können. Diese Geschwister dürfen wir nicht vernachlässigen. Wir sind Angehörige einer Zivilisation, die ihr Brot sehr gut teilen können. In unserem Glauben gibt es keinen Platz für Egoismus. Unser geliebter Prophet (s) sagte folgendes: “Ihr könnt nicht wahrhaftige Gläubige sein, solange ihr euren Geschwistern auch nicht das wünscht, was ihr euch selbst wünscht.”5 Daneben ist auch nicht klar, wann und wie wir einer Prüfung unterzogen werden. Wir sollten dankbar sein, wenn wir heutzutage die Möglichkeit haben, um eine helfende Hand sein zu können. Was wäre, wenn wir selbst Hilfe bräuchten? Welche Situation wäre wohl schwieriger?

Meine werten Geschwister!

In diesen schwierigen Tagen können wir Menschen in Not feststellen und ihnen helfen. In diesen Tagen sind unsere Moscheen betrübt und verwaist. Daher dürfen wir nicht vergessen, dass die Moscheen völlig mit ihren Unterstützungen aufgebaut und am Leben gehalten wurden. Deshalb dürfen wir die Moscheen nicht vernachlässigen. Lassen sie uns Moscheen in Bauphase und Moscheen mit Schulden helfen soviel es uns möglich ist. Schließlich sind diese Moscheen auf ihre Hilfe angewiesen, da die Moscheen Quelle unseres Lebens sind. So Gott will – inschaallah – finden wir uns in unseren Moscheen wieder zusammen. Und in den Moscheen können wir unsere Sehnsucht stillen, wenn diese schwierigen Tage vergangen sind. Lassen sie uns nicht vergessen, dass wir uns selbst und andere durch gegenseitige Hilfe glücklich machen. Dadurch schützen wir uns selbst auch vor Geiz und Egoismus. Dadurch leisten wir auch unseren Beitrag zum sozialen Gleichgewicht und sozialen Wohl.

Ich möchte meine Freitagspredigt mit der Übersetzung des folgenden Verses beenden: “Ihr erreicht keine Güte, ehe ihr nicht von dem spendet, was ihr liebt; und was immer ihr spendet, Allah weiß es.“6

 

Die DITIB-Predigtkommission

 

1 Maide, 5/2.                                                                                                                         
2 Ibn Abi Schaiba, Kitabu’l-Iman, (hg. al-Albani), S.33. 
3 Al-i İmran, 3/134. 
4 Bakara, 2/155.                  
5 Buhari, İman,17.
6 Al-i İmran, 3/92.

                                                                                                          

2020-04-10    


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