Freitagspredigt

PDF-Dosyası Freitagspredigt(PDF)

 

Wer betrügt, ist nicht von uns
(15.07.2022)

Verehrte Gläubige!

Der Gesandte Allahs (s) ging für die Besorgung mancher Bedarfe von Zeit zu Zeit auf den Markt von Medina. Aus diesem Anlass gelangte er auch Kenntnis davon, wer die Stadt besucht und was gekauft oder verkauft wurde. An einem Tag zog ein Haufen von Weizen seine Aufmerksamkeit auf sich. Er ging auf den Getreideverkäufer zu und tauchte seine Hand in den Weizenhaufen hinein. Jedoch war der Weizen unten nicht so, wie er oben aussah. Die Finger unseres Propheten wurden nämlich feucht. Auf die Frage an den Verkäufer, was die Ursache für die Feuchtigkeit war, erhielt er die Antwort, es sei auf Regen zurückzuführen. Darauf sagte der Gesandte Allahs: “Hättest Du folglich also nicht die feuchte Stelle nach oben tun müssen?”1 Er lenkte damit die Aufmerksamkeit auf die Handelsethik. Es ist ersichtlich, dass der Verkäufer die trockenen und feuchten Weizen zum Verkauf anbot ohne sie voneinander zu trennen und deshalb die Menschen betrog. Jedoch ist der Betrug von Menschen eine Abkehr von der Sunna des Propheten und von seinem Weg. Er sagte nämlich: “Unter Muslimen darf es keinen Betrug geben! Wer uns betrügt, ist nicht von uns!”2

Werte Gläubige!

Der gesegnete Prophet beschäftigte sich auch eine lange Zeit mit dem Handel. Daher kennt er alle Feinheiten des Kaufens und Verkaufens. Er unternahm deshalb Maßnahmen, damit die Wahrscheinlichkeit der Betrugsgefahr, die die Bände der Geschwisterlichkeit in der Gesellschaft schwinden lässt und das Gefühl von Vertrauen zerrüttet, beseitigt wird. Aus diesem Grund stellte er die Bedingung, dass Verkäufer und Käufer alle Details zur Ware und zu dem zu zahlenden Engelt offenlegen. Er sah dies sogar als einen Segen des Handels an.3 Er erinnerte die Muslime häufig daran, dass sie Geschwister4 voneinander sind. Er sagte, dass es  für Muslime verboten (haram) ist, eine Ware mit einem Makel zu verkaufen, ohne dies offenzulegen.5 Auf einem Dokument zu einem Kaufhandel vermerkte er eigenhändig eine Notiz, dass das Kaufobjekt keine Makel hat.6 Somit bezweckte er, eine Atmosphäre herzustellen, worin Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit bei jedem Kaufgeschäft – allen voran bei den für die Fortführung des Lebens notwendigen Grundbedürfnissen wie Nahrung, Kleidung und Unterkunft – sichergestellt wird. Beispielsweise bezeichnete er zur Praxis mancher Personen, die beim Verkauf von milchgebenden Tieren diese einige Tage vor dem Verkauf nicht melkten, damit ihre Euter reichliche Milch vorgeben, dies als “Betrug” und sagte, dass diese Handlung für keinen Muslim erlaubt (halal) ist.7 Daneben vermerkte er, dass der Käufer dieses Tieres unter der Bedingung, dass er den Entgelt der binnen drei Tagen gemolkenen Milch zahlt, das Tier zurückgeben kann,8 schob er dem Betrug und der Gefahr, betrogen zu werden, einen Riegel vor.

Wiederum sagte der Gesandte Allahs, dass jemand, der dem Gläubigen schadet und ihn betrügt, von der Barmherzigkeit Allahs entbehrt sein werden.9 Er warnte, dass Betrügende von seiner Fürsprache (Schafa`a) entbehrt sein werden.10 Er teilte auch mit, dass diejenigen, die viel schwören11 um ihre Ware zu verkaufen und den Makel ihrer Ware nicht offenlegen, den Zorn Allahs regen werden und seitens der Engel verflucht werden.12

Wenn es ums Betrogenwerden und Betrügen geht, sehen wir, welch Reaktion unser Prophet darlegte, verehrte Gläubige, nicht wahr?

Unter den Menschen in der mekkanischen Gesellschaft der Unwissenheit (Dschahiliyya) herrschte eine völlige Willkürlichkeit zu Maß und Gewicht. Wenn sie für sich selbst etwas kaufen wollten, nahmen sie Maß und Gewicht sehr streng, jedoch waren sie nachlässig wenn sie anderen etwas verkauften. Schauen sie bitte, wie beim erhabenen Allah der Hinweis auf die Warnung zum Betrug aussieht und wir in der Sura al-Mutaffifin mit der Bedeutung “diejenigen, die bei Maß und Gewicht betrügen” gewarnt werden: “Wehe denen, die das Maß verkürzen, die, wenn sie sich von den Leuten zumessen lassen, volles Maß verlangen, wenn sie ihnen jedoch zumessen oder wiegen, weniger geben. Glauben jene etwa nicht wiederauferweckt zu werden an einem gewaltigen Tag, dem Tag, an dem die Leute vor dem Herrn der Welten stehen?”13 Die Gefährten, die mit dieser Warnung angesprochen wurden, begannen, sich noch viel sensibler bei Maß und Gewicht zu verhalten, nachdem diese Verse herabgesandt wurden.

Aus all diesen Versen und Hadithen entnehmen wir, dass wir weder Betrogene noch Betrüger sein sollen. Wir werden von den erlaubten (halal) und reinen Gaben profitieren und somit unseren Dank an Allah darbringen.

Die DITIB-Predigtkommission

 

1 Muslim, Iman, 164.     
2 Darimi, Buyu`, 10.       
3 Abu Dawud, Buyu` (Idschara), 51.             
4 Bukhari, Adab, 57.            
5 Ibn Madscha, Tidschara, 45.         
6 Bukhari, Buyu`, 19.       
7 Ibn Madscha, Tidschara, 42. 
8 Bukhari, Buyu`, 64.       
9 Tirmidhi, Birr, 27.                   
10 Tirmidhi, Manaqib, 69.
11 Nasai, Zakat, 77.
12 İbn Madscha, Tidschara, 45.
13 Koran, al-Mutaffifin, 1-6.

2022-07-15    


Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form ohne schriftliche Genehmigung der DITIB reproduziert, vervielfältigt oder verarbeitet werden.

Archiv 2007-2008  | 2009-2010