Freitagspredigt

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60. Jahre Migration nach Deutschland
(29.10.2021)

Meine Geschwister! Verehrte Gläubige!

Am 31. Oktober 1961 wurde zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Türkei einen Vertrag über die Anwerbung von Arbeitskräften unterzeichnet. Ziel war es, den zunehmenden Bedarf an Arbeitskräften zu decken. Mit dem damals gemachten ersten Schritt vor 60 Jahren begann das Abenteuer der schönen Menschen aus dem schönen Anatolien. Für sie gelten Arbeit, Einsatz, Arbeitsschweiß und Fleiß als heiliger Zweck.

Diese Reise dieser mit Mühsal geplagten Menschen begann mit Tränen in den Augen und mit Holzkoffern in den Händen. Wenn jedoch das Lebensende kommt, wird ihre Reise mit Holzsärgen und wiederum mit Tränen in den Augen beendet. Diese Reise in diesem kurzen weltlichen Leben begann mit einer dreitätigen Zugreise. Mit einer dreistündigen Flugreise endet die Reise aus der Fremde.

Meine Geschwister!

Unsere erste Generation, die hierhin gekommen sind um zu arbeiten, vertraute auf den Vers: “Und dass der Mensch nur bekommen wird, wonach er sich bemüht hat.”1 Kraft und Mut schöpfend von ihrem Propheten, hissten sie ihre Segel für eine neue Hoffnung. Anfänglich planten sie, eine kurze Zeit hierher zu kommen, zu arbeiten und zurückzukehren. Nachdem sie mit ihren Familien sesshaft geworden waren, schoben sie ihre Rückkehrpläne hinauf. Während die Zeit zügig voranschritt, wuchsen die Kinder auf, heirateten und bekamen Kinder und Enkelkinder. Während sie die Kinder und Enkelkinder aufzogen, endeten auch unsere gezählten Atemzüge sowie die Lebenszeit.

Auch wenn mit jedem vergehenden Tag ihre Zahl unter uns verringert, ist es eine große Gabe zu wissen, dass unsere erste Generation noch unter uns weilt und dass wir ihren Geschichten Gehör schenken können. Möge Allah Wohlgefallen an all unseren Vorfahren und Senioren haben, dass sie unsere Religion, Kultur und Zivilisation hierhergetragen haben und diese Regionen mit den Muslimen bekannt gemacht haben.

Meine Geschwister!

Eine wegbereitende Generation zu sein, war besonders und zugleich sehr schwer. Es war auch gar nicht einfach, in einem Land, dessen Sprache man nicht versteht und dessen Kultur man nicht kennt, zu arbeiten. Sie arbeiteten... Sie arbeiteten sehr viel. Manche suchten ihre Brötchen in einer Fabrik, manche im Bausektor. An manchen Tagen waren sie in der Landwirtschaft tätig und holten ihre Brötchen aus der Erde heraus. Manche holten ihre Brötchen aus dem Stein im Bergwerk heraus. Während sie ihr Glück erlebten, friedlich und integriert arbeiteten und ihre Brötchen auf erlaubtem Wege verdienten und auf dem erlaubten Wege ausgaben, vergaßen sie jedoch nicht, auch für das Jenseits zu investieren.

Sie gründeten Vereine und bauten Moscheen auf um ihre Religion, Kultur und Identität nicht zu vergessen. Das von ihrem Mund Abgesparte stifteten sie für die kommenden Generationen und wurden Pioniere für Bau, Reparatur und Kauf der Gebetsstätten.

In diesen von der ersten Generation etablierten Institutionen wuchsen viele Menschen auf. Sie setzten sich dafür ein, Werte für die Menschheit zu produzieren; Sie bemühten sich, dass Frieden, Wohl und Sicherheit in der Welt herrschen möge. Ohne nach ihrem Glauben zu unterscheiden, halfen sie ihren Nachbarn, wenn diese in Not gerieten. Sie gesellten sich ihnen bei und teilten ihr Glück, wenn sie erfreuliche Tage hatten. An trübseligen Tagen teilten sie ihren Kummer. Bei Katastrophen und Unglück streckten sie ihre helfende Hand aus. All dies taten sie aufgrund ihrer in diesen Moscheen genossenen Bildung und Erziehung und wurden somit zum Segen für ihre Umgebung.

Unsere Moscheen wurden zu Zentren des Lebens, wo nicht nur gläubige Muslime in die Arme geschlossen wurden, sondern mit ihren sozialen und kulturellen Aktivitäten die ganze Menschheit. Diese schönen Werke wurden von unserer wegbereitenden ersten Generation begonnen. Mit den Unterstützungen der zweiten, dritten und vierten Generation entwickelten sich diese – dankenswerterweise – weiter und wurden noch besser. Heutzutage obliegt uns die Aufgabe, uns diese anvertrauten Güter, deren Körner unsere Vorfahren gesät haben, anzunehmen und an die kommenden Generationen zu übergeben.

Meine verehrten Geschwister!

Jeder Quadratmeter dieser Gebetsstätten wurde mit großer Aufopferung erbaut. Sehen sie diese Gebetsstätten bitte nicht als Bauten aus Beton an, wenn sie jedes Mal in diese eintreten. Lassen sie uns bei jeder Niederwerfung in diesen Gebetsstätten unsere Stirne mit dem Arbeitsschweiß derjenigen, die diese Gebetsstätten erbaut haben, zusammentreffen. Lassen sie uns unseren Herzen symbolisch die Hände schütteln mit den aufrichtigen Absichten dieser Menschen. Lassen sie uns jedes Mal wenn wir die Moschee betreten, daran denken, dass unser Prophet (s) die Arbeit wertschätzte und die Hand einer Person küsste.2 Schließlich arbeitete dieser für den Verdienst des Familienunterhalts und seine Hand bildete aufgrund seiner Tätigkeit mit Hacke und Schaufel eine Hornhaut. Lassen sie uns jedes Mal, wenn sich unsere Hände für das Gebet zu Allah, unserem Schöpfer, gehoben werden, an das Bittgebet von dem Propheten Abraham (s) und seinem Sohn Ismail (s) denken und ihr folgendes Bittgebet zu unseren Bittgebeten hinzufügen: “Unser Herr! Mache uns dir ergeben und von unserer Nachkommenschaft eine Gemeinde von Muslimen. Und zeige uns unsere Riten und kehre dich zu uns, denn du bist der Vergebende, der Barmherzige.”3

O Allah, sei barmherzig mit den Kindern der Fremde und vergib ihnen. Gewähre ihnen und ihren Kindern Gesundheit und Wohlergehen. Gewähre Paläste im Paradies für diejenigen, die einen Ziegelstein in diese Gebetsstätten, wo Dein Name gepriesen wird, beigesteuert haben. Vergib den Fehlern aller aufopferungsbereiten Menschen, deren Hände zu küssen sind und die für Dein Wohlwollen arbeiten, sich für Dein Wohlwollen abmühen und für Dein Wohlwollen herbeieilen.

 

Die DITIB-Predigtkommission

 

1 Koran, an-Nadschm; 53/39.                                                                     
2 Serahsi, al-Mabsut, 345.
3 Koran, al-Baqara; 2/128.

 

2021-10-29    


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