Freitagspredigt

Wetteifert um das Wohl

بِسْمِ اللهِ الْرَّحْمَنِ الْرَّحِيمِ

وَلِكُلٍّ وِجْهَةٌ هُوَ مُوَلِّيهَا فَاسْتَبِقُوا الْخَيْرَاتِ اَيْنَ مَا تَكُونُوا يَأْتِ بِكُمُ اللّٰهُ جَمِيعاً اِنَّ اللّٰهَ عَلٰى كُلِّ شَيْءٍ قَدِيرٌ

Bismillāhirrahmānirrahīm
[Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen]
“Jeder hat eine Richtung, der er sich zuwendet. So wetteifert miteinander um das Wohl. Wo auch immer ihr euch befindet, Allah wird euch schon alle zusammen bringen. Allah hat die Macht zu Allem.“

[Sure Baqara, Vers 148]

Verehrte Muslime,

der Islam lädt die Menschheit ein zum Wohl (chayr). Er lädt sie ein, hierfür Gutes zu verrichten und dem Menschen Nützliches. Miteinander sogar zu wetteifern hier drin. Sich gegenseitig zu überbieten in guten Werken. Damit als Vorbild dienend auch andere anzuspornen. So heißt es hierzu in Sure Baqara, Vers 148: “Jeder hat eine Richtung, der er sich zuwendet. So wetteifert miteinander um das Wohl. Wo auch immer ihr euch befindet, Allah wird euch schon alle zusammen bringen. Allah hat die Macht zu Allem.“ Und an einer anderen Stelle im Koran heißt es: “Helft einander in der Rechtschaffenheit [birr] und darin, die fromme Ehrfurcht [taqwā] in euch wach zu halten. Helft einander nicht etwa in der Sünde und der Feindschaft. Und habt Ehrfurcht vor Allah. Wahrlich, Allah ist streng im Strafen.” [1]

Verehrte Brüder und Schwestern,

mit Wohl sind hier gemeint alle guten Handlungen und Werke, an denen Allah Wohlgefallen findet, und die uns in der Folge Sein Wohlgefallen einbringen. Der Gesandte (saw) hat Formen dieses Wohls in seinen Hadisen oft benannt. So behandelt z.B. folgender Hadis eine besondere Form dieses Wohls, die sadaqa, die Handlung, mit der der Gläubige auch nach außen kehrt die Lehre, der er folgt: „Für jeden seiner Gelenke sollte der Mensch täglich eine sadaqa begehen. Hierfür kannst du zwischen zwei Menschen urteilen mit Gerechtigkeit. Jemandem helfen, auf sein Reittier zu steigen, oder seine Last auf sein Reittier zu laden. Auch ein gutes Wort, das du sprichst, kann schon eine sadaqa sein. Oder jeder Schritt, den du auf dem Weg zur Moschee machst. Alles was du vom Boden aufhebst, damit es hier keinen stört, ist ebenfalls eine sadaqa.“ [2] Und selbst die geringste Wohltat kann schon eine solche gute Tat sein. Unser Prophet (saw) gemahnte uns seinerzeit keine noch so geringe Tat zu unterschätzen, die uns eine Wohltat einbringt: “Und geringschätzt nicht die Wohltat, die ihr begeht, wenn ihr eure Glaubensbrüder mit einem Lächeln empfangt.” [3]

Verehrte Muslime,

wir sehen unseren Propheten (saw) selbst in der der Zeit vor seiner Berufung zum Propheten, noch als Jüngling von 20 Jahren, eintreten in eine Einrichtung der Polytheisten, die sich für das Wohlergehen der Menschen einsetzte: den sogenanten “Bund der Rechtschaffenen” (hilfu l-fudūl). Die Mitglieder dieses Bundes mochten untereinander unterschiedlicher Meinung sein und eine jeweils andere Weltsicht haben. Trotzdem konnten sie sich um gemeinsame, moralische Werte zusammen finden und wirken für Gerechtigkeit bzw. vorgehen gegen Ungerechtigkeit. Selbst, nach dem er (saw) zum Propheten berufen wurde, lobte er (saw) diesen Bund noch und sagte: “Ich würde ihm selbst heute noch beitreten.”

Dies sollte auch uns beflügeln, einzutreten in Organisationen, die für das Wohlergehen der Menschheit arbeiten. Wir Muslime sollten Vorreiter sein im Dienst am Menschen, im Dienst an seinem Wohlergehen und daher hier stark vertreten. Dabei haben wir eingangs das Wohl nicht beschränkt auf das Wohl nur des Menschen. Das bedeuetet, dass wir uns auch für das Wohlergehen, den Schutz von Lebewesen welcher Art auch immer und auch der Natur einsetzen sollten. Hier sollten wir aktiv sein in entsprechenden Gremien und Organisationen. Denn dies ist auch uns Muslimen eine Pflicht. Und sind wir nicht diejenigen, die die Geschöpfe lieben wegen dem, der sie erschaffen hat?

Folgender Hadis unseres Propheten (saw) soll uns in dieser Angelegenheit inspirieren und an dieser Stelle die Predigt abschließen: “Unter den Menschen gibt es solche, die Schlüssel sind für das Wohl und ein Schloss vor dem Übel. Andererseits gibt es solche, die Schlüssel sind für das Übel und ein Schloss vor dem Wohl. Glücklich diejenigen, denen Allah den Schlüssel zum Wohl in die Hand gegeben hat. Und wehe denen, denen Er den Schlüssel zum Übel in die Hand gab.” [4]

[1] Māida, 5/2.
[2] Buchārī, Sulh, 11; Muslim, Zakāt, 56.
[3] Muslim, Birr, 144; Abū Dāwūd, Libās, 24.
[4] Ibn Mādscha, Mukaddima, 19.

Ahmet Altıntaş
ٌReligionsbeauftragter der DITIB  Mehmet Akif Ersoy Moschee in Harburg
2013-06-28    


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