Freitagspredigt

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Aschura und Karbala
(28.08.2020)

 

Werte Gläubige!

Mit Beginn des heutigen Abends werden wir einen gesegneten Tag, den Aschura-Tag begehen. Bereits jetzt wünsche ich vom erhabenen Allah, dass dieser Tag Gutes, Wohl und Segen für die Menschheitsfamilie bringen möge.

Meine werte Geschwister!

Aschura ist der zehnte Tag des Monats Muharram. Dieser Tag ist sowohl aus Sicht seines spirituellen Wertes und Vorzugs auch aus geschichtlicher wie auch sozio-psychiologischer Sicht wichtig. Aus spiritueller Sicht ist der Aschura-Tag wichtig. Schließlich ist der Aschura-Tag gesegnet, weil verheißen wurde, dass das Fasten an diesem Tag Anlass für die Vergebung von Fehlern und Sünden eines ganzen Jahres ist.

Aus psychiologischer und geschichtlicher Sicht ist der Tag auch wichtig. Schließlich ist dieser Tag ein Tag, der zum Symbol für die Hoffnung auf die Errettung von Nöten, Problemen und Knappheit wurde. Die Reue von Adam (s) wurde an diesem Tag angenommen. Die Arche Noahs (s) errettete die Gläubigen von der Sintflut und brachte sie an die sichere Küste. An diesem Tag entkam Abraham (s) dem Feuer Nimrods. Die Söhne Israels wurden an diesem Tag von der Unterdrückung und den Repressalien Pharaos befreit.

Aus dieser Sicht ist Aschura ein Fest; Dieser Tag ist der Inbegriff für die Entschlossenheit zu leben sowie Schwierigkeiten zu überwinden. Der Aschura-Tag ist ein Zeugnis dafür, dass die Menschheit lediglich durch die Akzeptanz von Unterschieden eine glückliche Welt errichten kann. Schließlich ist Aschura der Beweis dafür, dass das Glück durch friedliche Koexistenz, Teilen und Zusammenhalt möglich ist.

Ja, diese reiche Erfahrung, die die Menschheit seit Jahrhunderten ansammelte, lehrt uns folgendes: Ohne irgendwelchen Druck und ohne jegliche Gewalt zu erfahren, sollte jeder mit seiner Farbe und Kultur als ein elementares und ehrenwertes Mitglied der Gesellschaft angesehen werden. Niemand darf aufgrund seiner Sprache, Farbe, Religion und Kultur ausgegrenzt und diskriminiert, gedemütigt und missachtet werden.

Aschura zeigt uns, dass eine Überzeugung nicht durch irgendwelchen Druck ausgelöscht werden kann... genauso wie das berghohe und furchterregende Feuer von Nimrod die Loyalität Abrahams zu seinem Glauben nicht auslöschen konnte.

Keine Identität kann mit Druck und Gewalt aus der Welt geschaffen werden… genauso wie die Söhne Israels durch den Pharao nicht aufgehalten werden konnten. Schließlich wurde daher diese Gemeinschaft, die sich jahrhundertlang in Unterdrückung und Gefangenschaft befand, durch Moses von dieser Knechtschaft befreit.

Aus dieser Sicht ist Aschura der Inbegriff dafür, wie Phoenix aus der Asche aufzuerstehen; Nach dem Tod wiederaufzuerstehen; Wieder auf die Beine zu kommen nachdem man gefallen ist und sich auf die Beine zu stellen. Es verheißt im dunkelsten Moment, dass die Sonne wieder aufgehen wird. Im erhabenen Koran wird daher folgendes gesagt: „Gewiss, mit dem Schweren kommt das Leichte. Ja, mit dem Schweren kommt das Leichte!“1

Werte Gläubige!

Entgegen aller positiven Assoziationen ist der Aschura-Tag gleichzeitig ein Tag des Leides und der Trauer für die Gläubigen. Aschura ist der Tag, an dem das Enkelkind des Propheten (s), Hüseyin (r) - der seitens unseres Propheten als „Herr der Jugendlichen des Paradieses“ bezeichnet wurde – mit 70 Personen aus seiner Familie in Karbala grausam ermordet wurden und das Martyrium erlangten. Vor 1340 Jahren ereignete sich dieser leidvolle Vorfall an einem solchen Aschura-Tag. Dieses Ereignis verletzt alle Gläubigen, die den Propheten und seine Familie (Ahl al-Bayt) lieben, zutiefst und ihre Herzen werden hierdurch gekränkt. Während der ganzen Geschichte bis zur gegenwärtigen Zeit versetzt dieses Ereignis alle Muslime – unabhängig davon, welcher Region, Kultur, Rechtsschule und spirituelle Richtung sie angehören mögen - in tiefe Leiden. Hüseyin und seine Nächsten haben mit ihrem ehrenwerten Wiederstand gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung und mit ihrem aufrichtigen Einsatz und Marsch für Redlichkeit die Herzen aller Muslime erobert. Diejenigen, die den Enkelkindern unseres geliebten Propheten diese Unterdrückung widerfahren lassen haben, wurden im gemeinsamen Gewissen der Menschheit verurteilt und verflucht.

Aus diesem Anlass gedenken wir den wohlriechenden Blumen des Propheten der Barmherzigkeit sowie dem „Herren der Jugendlichen des Paradieses“, Hüseyin (r), und all unseren Märtyrern in Barmherzigkeit, Verbundenheit, Dankbarkeit und Respekt.

Wir wünschen vom erhabenen Allah, dass unsere Liebe zur gesegneten Familie des Propheten (Ahl al-Bayt) stets beständig sein möge. Wir wünschen, dass ihre uns übertragenen menschlichen und ethischen Tugenden unsere Köpfe und Herzen bereichern mögen. Wir wünschen von Allah, dass sich unsere Liebe und Verbundenheit, die sich um diese Tugenden herum entwickeln, festigen möge.

 

Die DITIB-Predigtkommission

 

[1] İnşirah, 6-7.                    

                                                                     

2020-08-28    


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