Freitagspredigt

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Unsere Verantwortungen in schwierigen Zeiten: Unsere Häuser erneut beleben
(03.04.2020)

 

Meine Geschwister!

Wir wurden als Prüfung auf diese Welt gesendet. Jedes Ereignis und alle Situationen im Bereich dieser Prüfung lehren uns manche Dinge. Jedes positive oder negative Ereignis, die uns widerfährt, kann uns Vieles lehren.

Heutzutage sind wir mit einer Gefahr der Ausbreitung einer Pandemie konfrontiert. Dieser Gefahr können wir so begegnen, dass wir Wege finden, diese Situation zu unseren Gunsten zu wenden. Das bedeutet, dass wir diese Krise zu einer wichtigen Gelegenheit für uns und unsere Familie machen können. Schließlich sagt der erhabene Allah im edlen Koran: „Gewiss, mit dem Schweren kommt das Leichte.“1

Diese Situation beeinträchtigt unser Leben in einem großen Maße. Die Situation schränkt unsere sozialen Beziehungen sehr. Außer in zwingenden Fällen drängt uns diese Situation, zu Hause zu bleiben. Diese Situation ist Anlass dafür, in unsere Häuser zurückzukehren. Schließlich hatte uns die Moderne von unseren Häusern entfernt. Unsere Beziehungen mit der Außenwelt sind hierdurch eingeschränkt. Jedoch führt dies dazu, mehr Zeit mit unseren Familien und Nächsten zu verbringen.

Genau an diesem Punkt stellen sich uns folgende Aufgaben: Allen voran können wir Wege suchen, unsere geschwächten Familienbeziehungen zu stärken. Wir sollten Wege suchen, unsere Häuser wieder zu beleben. Wenn wir nicht in die Moschee gehen können, können wir unsere Häuser zu Gebetsstätten machen. Wenn wir nicht in die Schulen gehen können, können wir unsere Häuser zu Schulen machen. Wenn wir fern vom Lehrer und Gelehrten sind, können wir Lehrer oder Gelehrter unserer Familie sein. Nach unserer Religion ist überall eine Gebetsstätte. Wir können unsere Häuser zu Zweigstellen von den Häusern Allahs - Moscheen – machen. So können wir unsere Häuser zu einem neuen Zentrum der Dynamik und der Aktion transformieren.

Meine Geschwister!

Das Leben beginnt zu Hause. Die Aktivität des Lernens und das Erlernen des Lebens beginnen wir zu Hause. Unsere Häuser sind unsere ersten Schulen. Unsere Mütter und Väter sind unsere ersten Lehrerinnen und Lehrer. Das Haus bedeutet für uns nicht nur Betonwände und schöne Möbel. Das Haus ist nicht nur ein Ort für die Befriedigung unseres Bedarfs nach Unterkunft. Unsere Häuser sind die persönlichsten Orte. Dort erleben wir unsere tiefsten und aufrichtigsten Empfindungen und Handlungen.

Der erste Ort für unsere die Entstehung unserer Persönlichkeit und Identität ist unser Haus. Für den Gottesdienst ist auch unser Haus das erste Zentrum. Unsere Häuser sind der erste Erfahrungsort für Glauben, Ethik und Gottesdienst. Daher gilt folgendes: Wer die Häuser leitet, leitet auch die Straßen und die Gesellschaft. Schließlich öffnen sich die Türen der Häuser in die Straßen und zur Gesellschaft. Daher gilt auch folgendes: Wer die Häuser belebt, belebt auch die Gesellschaft. Lassen sie uns Gehör schenken, wie der Koran Gläubige, die ihre Häuser zu Zentren des Lebens und der Wertebildung transformieren, lobt:

„In den Häusern, in denen Allah erlaubt hat, dass er gelobt und sein Name verkündet wird, preisen ihn morgens und abends. [Es gibt] Männer, die weder Ware noch Handel von dem Gedanken an Allah und der Verrichtung des Gebets und dem Entrichten der Zakat abhält, aus Furcht vor einem Tag, an dem sich die Herzen und die Blicke verdrehen.“2

Meine werten Geschwister!

Der Mensch ist ein Wesen mit Verantwortungen. Der Mensch hat Verantwortungen gegenüber sich selbst. Auch gegenüber seinem Schöpfer und gegenüber der ganzen Schöpfung hat der Mensch wichtige Verantwortungen. Genau in dieser außergewöhnlichen Zeit verbringen wir die meiste Zeit in unseren Häusern. Genau in dieser Zeit sollten wir uns nochmals an unsere Verantwortungen erinnern. Genau in dieser Zeit können wir mehr über unseren Schöpfungszweck nachdenken. Ausgehend vom edlen Vers: „Selig sind die Gläubigen,  […] die sich von allem Sinnlosen zurückhalten,“3 können wir über folgendes nachdenken: Was können wir für uns selbst und die ganze Menschheit machen? Wir können wir unsere Zeit effektiver nutzen und uns mit nützlichen Dingen beschäftigen?

Diese Zeit ist eine große Gelegenheit für uns, uns tiefsinnige Gedanken zu machen, reumütig um Vergebung zu bitten, Bittgebete zu formulieren, Solidarität zu üben und uns weiterzuentwickeln und fortzubilden. Lassen sie uns diese Zeit als Gelegenheit nutzen um folgendes zu machen: Aufgrund Arbeitsauslastung und aufgrund Zeitmangels aufgeschobene Vorhaben und Verantwortungen endlich durchzuführen. Lassen sie uns mit der ganzen Familie eine Mobilisierung des Buchlesens beginnen. Lassen sie uns aus der Spirale des Internets und der sozialen Medien entkommen. Schließlich zehren uns das Internet und die sozialen Medien. Lassen sie uns dann mit Dingen, die unserem Diesseits und Jenseits dienlich sind, beschäftigen. Dieser neue Prozess hilft uns vielleicht, die Wahrheit zu erkennen, dass die ganze Menschheitsfamilie eine einzige Einheit bildet. Vielleicht hilft uns dieser Prozess aus der Sackgasse, in die wir seit Jahrzehnten hineingetrieben wurden, herauszukommen. Vielleicht hilft uns dieser Prozess, einen Ausweg zu finden.

Im erhabenen Koran wird folgendes gesagt: „… Vielleicht verabscheut ihr eine Sache, die gut für euch ist, und vielleicht liebt ihr eine Sache, die schlecht für euch ist; und Allah weiß, ihr aber wisst nicht.“4

 

Die DITIB-Predigtkommission

 

1 Koran, al-Inschirah, 94/5.                                                                                                 
2 Koran, an-Nûr, 24/36-37.
3 Koran, al-Muminun, 23/3.                                      
4 Koran, al-Baqara, 2/216.

 

2020-04-03    


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