Freitagspredigt

Die Selbsttötung als gesellschaftliches Problem

بِسْمِ اللهِ الْرَّحْمَنِ الْرَّحِيمِ
وَ لاَ تَقْتُلُوا أَنْفُسَكُمْ إِنَّ اللهَ كَانَ بِكُمْ رَحِيمًا

Bismillahirrahmanirrahim
[Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen]
„Tötet euch nicht selbst. Denn sehet, Allah ist äußerst barmherzig zu euch.“ 

                                                                                                                                                       [Sure „Nisa“, Vers 29]

Verehrte Muslime!

der Mensch ist unseres Schöpfers wertvollstes Geschöpf. Der Islam formuliert daher eine Reihe von Prinzipien, um dieses zu schützen und zählt andererseits auch auf, was ihm dabei am wichtigsten ist. So gehört hierzu der Schutz der Religion, des Eigentums, der Würde des Menschen und seiner Nachkommenschaft aber eben auch seines Lebens. Und der Schutz des Lebens ist eigentlich nicht nur dem Islam ein besonderes Anliegen, sondern ein Anspruch, den alle Offenbarungsreligionen formulieren.

Allah, der Erhabene, gemahnt uns also, das Leben des Menschen zu schützen. Dabei verbietet er uns nicht nur, dem Leben anderer Menschen ein Ende zu setzen, sondern auch unserem eigenen. Die Selbsttötung ist demnach ebenso verboten wie das Töten und gehört sogar zu den großen Sünden. Denn das Leben des Menschen gehört nicht ihm selbst. Kein Mensch hat daher das Recht, über sein Leben zu verfügen.

So heißt es hierzu im Koran: „Tötet euch nicht selbst. Denn sehet, Allah ist äußerst barmherzig zu euch.“ [1] - „Begebt euch nicht mit eigener Hand in Gefahr.“ [2] Und auch unser Prophet (s.a.w.) warnte uns dereinst davor, als er sagte: “Wer sich selbst mit etwas umbringt, dem wird am Tage der Auferstehung wieder hiermit Qual zugefügt.“ [3]

Verehrte Gläubige,

besonders im Westen greift diese Krankheit heute um sich. Aber auch in muslimischen Gesellschaften sind Fälle der Selbsttötung leider immer öfter zu beobachten. In Zeiten, da überall moralische und religiöse Werte schwinden, kann der Mensch bei Depressionen, Arbeitslosigkeit und anderen Problemen, die ihm Unzufriedenheit bereiten - wenn er in dieser Situation keine starke Stütze hinter sich und nirgendwo Zuflucht zu suchen weiß - so manches Mal seinen einzigen Ausweg in der Selbsttötung sehen.


Verehrte Brüder und Schwestern,

der Glaube hat erwiesenermaßen einen positiven Einfluss auf die Seele des Menschen. Der Mensch glaubt Sicherheit zu finden in vielen Dingen. So können dies sein die Familie ebenso wie Amt und Stellung oder das Vermögen. Doch was, wenn er dieser morgen schon verlustig geht? Der Mensch braucht daher eine Stütze, die nicht vergänglich und ihm eine Zuflucht ist in jeder Situation. Und diese Stütze ist kein geringerer als Allah!

Wer Ihn als seine Stütze und seinen Zufluchtsort sieht und sich Ihm ergibt, weiß, dass ein jedes Problem und ein jedes Leid, dem wir im Leben begegnen, eine Prüfung nur ist. Er wird sich in einer solchen Situation kleiden mit Geduld und Standhaftigkeit. Muslime sollten daher nicht ihren Glauben und ihr Vertrauen in Allah aufgeben in einer solchen Situation. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen uns, dass die Rate der Selbsttötung unter gläubigen Menschen auch sehr gering ist. [4]

Wir sollten daher in Situationen, die uns ausweglos erscheinenden, daran denken, dass Allah unsere einzige Zuflucht ist und uns stets Ihm zuwenden. Wir sollten wissen, dass der beste Weg, uns vor der Volkskrankheit unserer Zeit, der Depression, zu schützen, das aufrichtige Bittgebet an Allah, die Verrichtung unserer Gottesdienste, Geduld und Dankbarkeit sind. Besonders der jüngeren Generation sollten wir moralisch-ethische Werte weitergeben, um sie gegen Krankheiten dieser Art zu schützen. Wir sollten auch versuchen, Menschen in unserem Umfeld, die sich in einer seelischen Krise befinden und hier nicht aus eigenen Kräften wieder raus finden, zu helfen. Dies würde mit dazu beitragen, die Verbreitung der Selbsttötung in der Gesellschaft zu verhindern.

Verehrte Gemeinde,

Bei jedem Problem und jedem Leid ist es wieder Allah, der uns unverhofft einen Ausweg zeigt. Denn er hat die Kraft zu Allem. Wer sich daher auf Ihn stützt, wird Kraft erlangen durch Ihn.

[1] Nisa, 4/29.
[2] Baqara, 2/195.
[3] Buchara, Eyman 7, VII, 223.
[4] Hayati HÖKELEKLİ, “İntihar”, DİA, XXII, 353.

Ali İşbakan
Religionsbeauftragter der Bilal-i Habeşi-Moschee in Bobingen

 

2012-01-27    


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