Freitagspredigt

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Fremdenfeindlichkeit gefährdet unsere Zukunft
(21.02.2020)

 

Meine Geschwister!

Allah hat den Menschen aus Erde geschaffen. Allah hat den Menschen mit Kultivierung der Welt beauftragt. Keine Ethnie wurde von Allah als Sklaven geschaffen. Keine Ethnie wurde von Allah als Herr anderer Ethnien geschaffen. Im Islam hat kein Mensch, keine Ethnie, keine Religion, keine Farbe, kein Geschlecht, kein Volk und auch keine Region das Recht, sich als besser anzusehen. Im Islam hat keiner von diesen das Recht, andere zu verachten. Dabei spielt auch der weltliche oder spirituelle Grad keine Rolle.

Werte Gläubige!

In seiner Abschiedspredigt verkündete der Prophet (s) offenkundig folgendes: Kein Araber hat einen Vorzug über einen Nicht-Araber. Und kein Nicht-Araber hat einen Vorzug über einen Araber. Kein Weißfarbiger hat einen Vorzug über einen Schwarzfarbigen. Kein Schwarzfarbiger hat einen Vorzug über einen Weißfarbigen. Vielmehr ist der Vorzug lediglich in der Frömmigkeit. Das heißt: Frömmigkeit entsteht durch Ausübung der Gebote Allahs und durch Vermeidung der Verbote Allahs.

Der Prophet erklärte: Rassismus wird seitens des Islams kategorisch abgelehnt. Der Prophet sagte hierzu: “Wer sich dem Anliegen des Rassismus verfängt, ist nicht von uns.”1 Schließlich ist Rassismus eine geistige Krankheit. Diese Krankheit beruht auf Unwissenheit und Fanatismus. Diese Krankheit lässt sowohl die Augen erblinden als auch die Herzen.

Im Koran wird gesagt: Die Menschen haben unterschiedliche Wurzeln und trennen sich in Stämme. Der Grund dafür wird als gegenseitiges Kennenlernen und gegenseitige Solidarität angegeben. Im edlen Koran wird diese Realität wie folgt zum Ausdruck gebracht: “O ihr Menschen, Wir haben euch ja von einem männlichen und einem weiblichen Wesen erschaffen. Und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander kennenlernt. Gewiss, der Geehrteste von euch bei Allah ist der Gottesfürchtigste von euch. Gewiss, Allah ist Allwissend und Allkundig.”2

Meine Geschwister!

In der globalen Welt ist heutzutage Diskriminierung aufgrund von Sprache, Religion, Hautfarbe und Ethnie immer noch eines der größten menschlichen Probleme. Religions- und Konfessionskonflikte sowie Diskriminierungen gehen auf Rassismus zurück. Leider führen diese immer noch zu Verlust von Leben, Vermögen und Sicherheitsgefühl der Menschen.

Mit Erschrecken stellen wir folgendes fest: In den letzten Tagen sind die Angriffe auf unsere Gebetsstätten, Geschäfte und Wohnräume stark angestiegen. Unsere Moscheen sind die Garantie für Sicherheit und Frieden von verschiedenen Menschen. In unseren Moscheen verrichten unterschiedliche Menschen verschiedener Völker friedlich ihre Gottesdienste - unabhängig von ihren Meinungen und Ansichten. Diese Angriffe auf unsere Gebetsstätten betrüben uns zutiefst und beunruhigen ernsthaft unsere Gemeinde. Der zuletzt verübte abscheuliche Angriff in Hanau hat 10 unschuldigen Menschen das Leben gekostet. Dieser Angriff zeigt uns mit ganzer Nacktheit, welche erschreckliche Dimension die Muslimfeindlichkeit erreicht hat. Wie wir in unserer letzten Pressemitteilung mitgeteilt hatten, zeigen uns die Ereignisse folgendes: Wir gehen auf einen Punkt zu, von dem es kein Zurück mehr gibt. Aus diesem Anlass rufen wir alle dazu auf, besonnen zu handeln. Wir rufen alle dazu auf, gegenüber Provokationen auf der Hut zu sein. Daneben erklären wir nochmals folgendes: Wir erwarten, dass die Sicherheit  unserer Moscheen, Häuser, Geschäfte und die Sicherheit des Lebens und Vermögens unserer Gemeindeangehörigen gewährleistet wird. Wir fordern die Verantwortlichen auf, entsprechende Maßnahmen zu treffen um die Sicherheit zu gewährleisten.

Werte Gläubige!

Nächsten Dienstag werden wir mit dem Beginn des Monats Radschab die Saison der Barmherzigkeit und des Segens - die gesegneten drei Monate - erreichen. Am Donnerstag werden wir die gesegnete Nacht der Wünsche (Raghaib) erleben. Darin überschüttet Allah seine Diener mit reichlichen Gaben und jeglichem Segen. Allah gibt uns darin die wertvolle Möglichkeit, seine Verzeihung und Vergebung zu erlangen. Aus diesem Anlass bitte ich den erhabenen Allah: Mögen diese Nacht und die drei Monate segensreich und wohlbringend für die ganze Menschheit sein. Wir bitten Allah darum, dass unsere Bittgebete von den angenommenen Bittgebeten des Propheten begleitet werden mögen. Ebenso bitte ich Allah darum, dass wir in Gesundheit und in Wohlergehen den gesegneten Monat Ramadan erreichen mögen.3

Aus aktuellem Anlass bitte ich den erhabenen Allah um Barmherzigkeit und Vergebung für unsere Geschwister, die in Hanau ihr Leben verloren haben. Ich wünsche von Allah schnelle Genesung für unsere Verletzten. Ich bitte Allah um Geduld und Widerstandskraft für die Verwandten und unsere ganze Gesellschaft.

 

Die DITIB-Predigtkommission

 

1 al-Muslim, Imara, 53.                                                                                                        
2 Koran, al-Hudschurat, 49/13.     
3 Ahmed b. Hanbal; al-Musnad, 1/259.

 

 

2020-02-21    


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