Freitagspredigt

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Auswanderung (Hidschra)‎
(30.08.2019)

 

Meine verehrten Geschwister!‎

Morgen ist der 1441. Jahrestag der ‎Auswanderung (Hidschra) unseres ‎Propheten (s). Das ist ein sehr wichtiges ‎Ereignis der Menschheitsgeschichte. Dabei ‎ist unser Prophet von Mekka nach Medina ‎ausgewandert. Die Hidschra beinhaltet ‎sehr viele Botschaften und Vorbilder für ‎die Muslime. Es ist ein Wendepunkt. In der ‎Zeit des Kalifen Omar schlug Ali ‎diesbezüglich etwas vor. Er unterbreitete ‎den Vorschlag, die Auswanderung zum ‎Beginn des islamischen Kalenders zu ‎machen. Seitdem wird der 1. Muharram ‎als Beginn des islamischen Kalenders ‎begangen.‎

Werte Muslime!‎

Wie bekannt ist, wurden unser Prophet ‎und die ersten Muslime von den ‎mekkanischen Polytheisten unterdrückt. ‎Die Polytheisten übten gegenüber ihnen ‎jeglichen Druck aus und drangsalierten ‎sie. Muslime wurden sehr vielen ‎wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen ‎Behinderungen ausgesetzt. Trotz ihrer ‎Liebe zu Mekka und Kaaba haben sie die ‎Stadt verlassen. Auf Erlaubnis von Allah ‎sind sie nach Medina ausgewandert ‎‎(Hidschra). ‎

Die Hidschra ist keine gewöhnliche ‎Migration. Die Hidschra ist eine gesegnte ‎Reise der ersten Muslime. Sie zeigt uns ‎den selbstlosen Einsatz von ihnen. Es ist ‎eine gesegnete Reise hin zum Guten, ‎Schönen, zu Recht und zur Gerechtigkeit. ‎Die Auswanderung ist eine Zeitenwende ‎für die Muslime. Darin sind schöne ‎Beispiele für eine herzliche Verbundenheit ‎mit Allah und seinem Gesandten. Die ‎Auswanderung ist wahrhaft ein Epos. ‎Dieser Epos handelt von den ‎Auswandernden (al-Muhadschirin), die ‎alles hinter sich gelassen haben. Sie ließen ‎ihre Lieben, Heimat und Mutter, ihren ‎Vater, ihr Hab und Gut zurück. Sogar waren ‎sie bereit, ohne zu zögern ihr eigenes ‎Leben für das Wohlwollen Allahs zu geben. ‎Dieser Epos handelt auch von den Helfern ‎‎(al-Ansar), die sich ihnen annahmen ohne ‎eine Gegenleistung zu erwarten. Dieser ‎Epos wird in unserem erhabenen Buch, ‎dem edlen Koran, wie folgt gelobt: “Und ‎jene, die da vorauszogen, die ersten der ‎Auswanderer und die Helfer, und ‎jene, die ihnen folgten in schönem Tun, ‎Allah hat an ihnen Wohlgefallen. Und ‎Wohlgefallen haben sie an ihm. Und er hat ‎ihnen Gärten bereitet, durcheilt von ‎Bächen, immer und ewig darin zu bleiben. ‎Das ist die große Glückseligkeit.”1

Verehrte Gläubige!‎

Die Hidschra ist auf der einen Seite eine ‎Auswanderung nach Medina als Ort. Aber ‎es verdeutlicht auch den Übergang zur ‎Bürgerlichkeit und Zivilisation. In dieser ‎Zivilisation gibt es Werte wie Mitleid, ‎Selbstlosigkeit, Geschwisterlichkeit. ‎Verzicht, Treue zum Wort, Einheit, ‎Eintracht, Liebe, Respekt, Teilen und ‎gegenseitige Umarmung gehören dazu. ‎Diese Zivilisation baut jegliche Tugend auf. ‎Darin ist die Aufrechterhaltung und ‎Umsetzung von Gutem, Schönem, ‎Wohltaten enthalten. Moral, ‎Aufrichtigkeit, geistige Reife sowie ‎Frömmigkeit gehören auch dazu.‎

Auch hat die Auswanderung eine ‎gesonderte überzeitliche und ‎überörtliche Bedeutung. Demnach ist ‎die Auswanderung eine Trennung von ‎Unerlaubtem (Haram) und Sünden. In ‎diesem Sinne ist jeder Gläubige, der ‎sich vom Bösen zum Guten nähert, ‎ein Auswanderer (Muhadschir). ‎Jeder, der sich vom Ungehorsam zur ‎Frömmigkeit bewegt, ist ein ‎Auswanderer. Jeder, der sich von ‎Unterdrückung und Ungerechtigkeit ‎zum Recht und zur Gerechtigkeit ‎bewegt, ist ein Auswanderer. ‎Schließlich sagte unser Prophet (s) in ‎einem Hadis: “Der Muslim ist ‎derjenige, vor dessen Zunge und ‎Hand die Muslime keinen Schaden ‎erleiden. Der Auswanderer ‎‎(Muhadschir) ist derjenige, der die ‎Verbote Allahs unterlässt.”2 Damit ‎lenkte er unsere Aufmerksamkeit auf ‎diesen Aspekt der Hidschra.‎

Folglich ist die Auswanderung eine ‎unvergleichbare Gabe. Die Hidschra ist ‎eine wichtige Chance für alle Gläubigen. ‎Sie ist bis zum jüngsten Tag sowohl für uns ‎als auch für alle Gläubigen wichtig. Lassen ‎sie uns diesen Tag eine Zeitenwende für ‎unser spirituelles Leben machen. Lassen ‎sie uns das islamische Neujahr dafür ‎nutzen, unsere Fehler zu überdenken. ‎Lassen sie uns, die Chance dazu ergreifen, ‎neue Entscheidungen zu treffen. Lassen sie ‎es uns als eine frische und neue ‎Gelegenheit nutzen, die wir nicht ‎verpassen sollten.‎

In diesem Sinne gratuliere ich unserer ‎Gemeinschaft und der ganzen islamischen ‎Welt zum islamischen Neujahr. Ich ‎wünsche vom erhabenen Allah, dass es ‎zum Guten und Wohl beitragen möge.‎

 

 

Die DITIB-Predigtkommission

 

1 Koran, at-Tauba, 9/100.                                                                                                                      
2
al-Bukhari, Iman, 4.

 

2019-08-30    


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