Freitagspredigt

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Der Segen des Fastens: Infaq
(17.05.2019)

 

Meine Geschwister! Verehrte Gläubige!‎

Unsere erhabene Religion, der Islam, stellt einen ‎prächtigen Ausgleich zwischen den individuellen ‎Gottesdiensten und gesellschaftlichen ‎Verantwortungen her. So wie der Mensch ‎Aufgaben und Verantwortungen gegenüber ‎Allah, seinem Schöpfer, wahrnehmen muss, hat ‎er auch Aufgaben und Verantwortungen ‎gegenüber seinem sozialen Umfeld.‎

Unmittelbar nach dem Gebet - als Gipfel des ‎Gottesdienstes – wird im edlen Koran “Infaq”, ‎das heißt der Einsatz für Arme und Unbemittelte ‎erwähnt.1 Hierdurch wird die untrennbare ‎Beziehung zwischen dem Gebet und Infaq ‎verdeutlicht. Denjenigen, die beten, aber ihrer ‎Verantwortung gegenüber Bedürftigen und ‎Unbemittelten nicht nachkommen, werden im ‎edlen Koran mit dem Ausdruck “Schande über ‎sie” gerügt und daran erinnert, dass eine große ‎Peinigung auf sie wartet.‎

Werte Gläubige!‎

Der Koran lobt2 die Gläubigen, die sich selbstlos ‎darum bemühen, zu helfen. Daneben bringt der ‎Koran zum Ausdruck, dass auch Bedürftige, Arme ‎und Alleinstehende ein Anrecht3 auf unseren ‎Besitz haben.

Also bedeutet Infaq, dass der Mensch als Diener ‎Allahs alle seine materiellen und immateriellen ‎Güter, mit anderen teilt und dabei die Belohnung ‎nur von Allah erwartet. Infaq bedeutet, auf dem ‎Wege Allahs selbstlos zu sein und sich deswegen ‎gewiss vor allen Gefahren zu fühlen.4 Für den Tag ‎des Jüngsten Gerichts, an dem es eigentlich ‎keinen Handel, keine Freundschaft und keine ‎Bevorzugung gibt, ist Infaq ein ertragreicher ‎Handel, ein vertrauenswürdiger Freund und ein ‎ersehnter Fürsprecher.5 Es ist eine ‎Wiederspiegelung der weiten Großzügigkeit ‎Allahs, die man nicht verpassen sollte, dass Infaq ‎eine Möglichkeit ist, zu der die Spende mit ‎siebenhundert multipliziert von Allah belohnt ‎wird.6 Infaq ist ein ganz besonderer Gottesdienst, ‎durch den diejenigen, die vom eigenen Besitz auf ‎dem Wege Allahs spenden, das Gespendete ohne ‎den Empfänger zu kränken, abgeben. Der ‎Spendende ist von jeglicher Furcht und Trauer ‎sicher und wird eine besondere Behandlung bei ‎Allah, dem Erhabenen, erfahren.7‎

Meine Geschwister! ‎

Wenn vom “Monat Ramadan” gesprochen wird, ‎ruft dies bei jedem unterschiedliche ‎Assoziationen hervor. Für manche ist der ‎Ramadan Diät und für manche Schmauserei. Für ‎manche ist es ein unerträgliches Leid und für ‎manche ist es ein nicht zu verpassender Monat ‎des Studiums. Für Mütter und Väter wiederum ist ‎der Ramadan ein Monat, in dem sie Tage ‎herbeisehnen, dass ihre Kinder satt ins Bett ‎gehen können. Für andere ist es ein Monat der ‎Sorglosigkeit, worin die Speisetafeln des ‎Fastenbrechens zu Speisetafeln der ‎Verschwendung werden.‎

Wir als Vertreter des Islams, die denken, dass ‎Gutes und Selbstlosigkeit die Welt verschönert, ‎dürfen vor dem erlebten Leid auf der Welt unsere ‎Augen nicht verschließen, unsere Ohren nicht ‎zuhalten und die Stimme unseres Gewissens ‎nicht unterdrücken. Wir sind Kinder von ‎feinfühligen und selbstlosen Menschen, einer ‎Zivilisation, die beim Eintreffen des Ramadans ‎zum kleinen Lebensmittelhändler gingen und die ‎fälligen Schulden eines beliebigen Schuldners aus ‎dem Schuldenbuch aus der Kasse beglichen. Wir ‎sind die Gemeinschaft eines großzügigen und ‎freigiebigen Propheten (s), der seine Frau zu ‎fragen pflegte: “Was ist uns vom Opfertier ‎übriggeblieben?” Sie antwortete darauf, dass“nur ‎ein Teil verblieben sei” und er dann wie folgt ‎entgegnete: “Meine Aischa, also sage doch, dass ‎außer dem übriggebliebenen Stück Fleisch alles ‎Gespendete (Infaq) für uns übriggeblieben ist.”8 ‎Er war auch derjenige, der uns verdeutlichte, dass ‎die gebende Hand besser ist als die nehmende ‎Hand.9‎

Werte Gemeinde!‎

Auch in diesem Jahr ist unsere Organisation DITIB ‎‎– Türkisch-Islamische Union der Anstalt für ‎Religion e.V. – mit dem Ziel unterwegs, das Gute ‎herrschend auf der Welt zu machen und ‎übermittelt daher ihre Zakat, Fitra und Spenden ‎an Bedürftige. DITIB ist eine transparente und ‎vertrauenswürdige Brücke zwischen der ‎gebenden und der nehmenden Hand. ‎

Möge Allah, der Allwissende uns zu Menschen ‎machen, die diese Brücken nutzen, um ‎Verbindungen von Herz zu Herz herzustellen und ‎denen aus diesem Grund Vergebung zuteilwird. ‎Möge Allah unsere Gebete, die wir als Zeichen ‎unserer Einheit in einer Gebetsreihe, ‎nebeneinander und Schulter an Schulter ‎verrichten, annehmen. Möge Allah uns ‎gewähren, dass unser eingehaltenes Fasten uns ‎selbst bändigt und dass wir unsere Hände und ‎Füße, Augen und Ohren sowie Zungen und ‎Lippen gegenüber dem Bösen verschließen. Möge ‎Allah, der Erhabene, all unsere Investitionen für ‎das Jenseits und all unsere Bemühungen – sei es ‎ein kleiner oder ein großer Beitrag – für das Wohl ‎und für den Frieden der Menschheit nicht ‎unbeantwortet lassen. Möge mit den ‎Errungenschaften des Ramadans unsere Welt ‎erblühen und unser Jenseits selig sein. Möge ihr ‎Freitag gesegnet sein.‎

 

Die DITIB-Predigtkommission

 

1 Koran, al-Baqara, 2/3‎   
2 Koran, al-Mu’minun, 23/4‎                                                                                                        
3 Koran, az-Zariyat, 51/19‎                                                   
4 Koran, al-Baqara, 2/195‎                                     
5 Koran, al-Baqara, 2/254‎                                     
6 Koran, al-Baqara, 2/261‎                                     
7 Koran, al-Baqara, 2/262‎
8 Tirmizî, Kıyâme, 33‎
9 al-Bukhari, Zakat 18‎

2019-05-17    


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